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Portraitbild einer Frau, die auf einer Bank im Hörsaal sitzt.

Von der Apartheid zur Inklusion: Demelza setzt sich mit ihrer Promotion für ein gerechteres System ein

Demelza Komitsch hat als Kind in Südafrika die Apartheid erlebt. Heute lehrt sie an unserer Hochschule und promoviert an der University of Cape Town zu den Themen Diversity, Inklusion und Innovation.

Von der Apartheid zur Inklusion: Demelza setzt sich mit ihrer Promotion für ein gerechteres System ein

Demelza Komitsch hat als Kind in Südafrika die Apartheid erlebt. Heute lehrt sie an unserer Hochschule und promoviert an der University of Cape Town zu den Themen Diversity, Inklusion und Innovation.

Wenn Demelza Komitsch ihre Geschichte erzählt, ist es eine Reise in die Zeit der Apartheid. Sie berichtet von der Trennung von Menschen nach Hautfarben. Demelza wächst in Kapstadt auf, lebt in einem Viertel, wo nur „Coloureds“ leben durften. Ihr Vater legte immer viel Wert auf Bildung und bestand darauf, dass seine Kinder gute Schulen besuchen. „Wir hatten manchmal abends nur ein trockenes Brot zu essen, aber wir gingen auf eine Privatschule. Die deutsche Schule in Kapstadt war einer der wenigen, die Coloureds aufnahm und die noch bezahlbar war.“ Jeden Morgen steht Demelza um halb sechs auf und macht sich auf den Schulweg – zwei Stunden braucht sie pro Strecke. Die Schule steht im Viertel der Reichen.

Portraitbild einer Frau im blauen Blazer.
Demelza Komitsch hat als Kind in Südafrika die Apartheid erlebt. Heute lehrt sie an unserer Hochschule und promoviert an der University of Cape Town zu den Themen Diversity, Inklusion und Innovation. (Foto: FH Münster/Milana Mohr)

Bei der legendären Rede von Nelson Mandela nach seiner Freilassung 1991 wird Geschichte geschrieben. Die achtjährige Demelza steht mit ihrer Familie in der Menge. Demelzas Vater hat sich immer gegen das vorherrschende Regime gewendet und war dafür auch fünf Monate in Haft. „Als Kind war es mir unangenehm, wenn mein Vater beispielsweise darauf beharrte, dass nicht die weiße Frau, sondern wir beim Bäcker zuerst bedient wurden, einfach, weil wir länger gewartet hatten. Heute sehe ich vieles mit anderen Augen.“ 1994 kommt der Regierungswechsel. In einem Regime, das Demelza immer sehr eingeengt hat, war es ihr größter Traum, aus dem Land herauszukommen und zu reisen.

Demelza Komitsch bei der Lehre an der FH Münster.
Demelza Komitsch (l.) unterrichtet die Studierenden der MSB im Bereich Human Relations. (Foto: FH Münster/Florian Kochinke)

Um diesem Wunsch näherzukommen, studiert Demelza an der Cape Peninsula University of Technology Gastgewerbe-Management. 2009 kommt Demelza als Stipendiatin an die FH Münster und studiert International Management an unserem Fachbereich Wirtschaft, der Münster School of Business (MSB). „Ich hatte bis 2009 jahrelang kein Deutsch gesprochen, aber nach zwei Monaten Sprachschule klappte es prima“, erinnert sich Demelza. Das Studium ist ihr zweiter Aufenthalt in Deutschland – nach einem sechsmonatigen Praktikum in Merseburg, Sachsen-Anhalt, und einem Schüleraustausch.

Demelza Komitsch bei der Lehre an der FH Münster.
Auch das Zwischenmenschliche darf in der Lehre nicht zu kurz kommen, findet Demelza. (Foto: FH Münster/Florian Kochinke)

Nach ihrem Studienabschluss 2011 geht sie zunächst zurück nach Südafrika. Dort arbeitet sie in der deutschen Außenhandelskammer, dann als Marketingmanagerin und schließlich als General Managerin bei einem deutschen Maschinenbauunternehmen – beide in Johannesburg. „Dort erwachte meine Leidenschaft für mein heutiges Forschungsthema Diversity, Inklusion und Innovation. Alle, mit denen ich auf der Führungsebene zusammengearbeitet habe, waren Männer, Ingenieure und weiß.“ Demelza baut den HR-Bereich mit auf. Versucht Verträge zu vergeben, die eine Krankenversicherung und eine Rente für die Beschäftigen vorsehen. Nach fast sechs Jahren im Unternehmen sucht Demelza aus beruflichen und privaten Gründen nach einer neuen Chance. Sie wird 2019 bei dem deutschen Unternehmen Klüber Lubrication in Johannesburg fündig: „Das war ein Schritt in meiner Karriere, für den ich dankbar bin, da ich eine andere Unternehmenskultur und einen anderen Führungsstil kennenlernen durfte.“ In dem Unternehmen nimmt sie sich als Direktorin Sales & Marketing die Zeit, nach Möglichkeiten zu suchen, den Teamgeist und die Moral im Unternehmen wiederherzustellen. „Man muss wissen, wie man Menschen führt. Das Team ist am Ende wirklich zusammengewachsen, egal, ob jung oder alt, schwarz oder weiß.“

Demelza Komitsch bei der Lehre an der FH Münster.
Demelza unterstütze die zweite Stipendiatin aus Südafrika, Mpho Letsoalo (Mitte), beim Studium an der MSB. Auch Martina Ratermann, Leiterin des Office for International Studies (l.) setze sich für beide Stipendiatinnen ein. (Foto: privat)

2022 beginnt Demelza eine Promotion zu Diversity, Inklusion und Innovation an der Graduate School of Business an der University of Cape Town (UCT). Ein Jahr später nimmt sie Kontakt zur MSB auf und wird bei Prof. Dr. Sonja Öhlschlegel als Research Associate im Bereich Personalwirtschaft tätig. Mit ihrer Promotion möchte Demelza einen Beitrag dazu leisten, dass das System in Südafrika gerechter wird. Darin beschäftigt sie sich vor allem mit dem Mittelstand in Südafrika: „Viele Unternehmen müssen schnell wieder Konkurs anmelden, weil es ihnen nicht gelingt, ein gutes Konzept der Inklusion von multiethnischen Teams zu entwickeln. Fühlt man sich nicht wohl in einem Unternehmen, kommen auch keine Innovationen, man tauscht sich nicht aus und lernt nicht voneinander. Inklusion und Innovation bedingen sich.“

Von Milana Mohr


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